Low-Carb-Burger

Street-Food-Festivals sind der letzte Schrei. Total in Mode in Deutschland und auch immer beliebter in Frankreich. Auch auf jedem Konzertgelände sieht man sie, die Buden mit selbstgemachten Kartoffelchips und die vielen mobilen Burger-Bräter.
In der Schlange vor dem Truck mit den Angus-Beef-Burgern mit Avocado-Creme steht eine junge Frau vor mir. Der Typ im Truck zelebriert seine Kunst. Ohne sich hetzten zu lassen, zieht er ein Sieb aus der Fritteuse und lässt die Süßkartoffelpommes abtropfen.
„Kannst du mir einen Low-Carb-Burger machen?˝, fragt die junge Frau vor mir, als sie endlich an der Reihe ist und ihre Bestellung aufgeben darf.
„Ja, gerne. Was ist denn ein Low-Carb-Burger?˝ Der junge Koch hat davon noch nichts gehört. Er wirkt sichtlich überfragt.
„Das ist ein Burger ohne Kohlenhydrate. Also nur das Fleisch auf einer Salatdekoration, aber ohne Brötchen˝, erklärt die junge Frau.
„Ja klar, kann ich dir machen. Will’ste Pommes dazu?˝


Modegeschäft in Strasbourg, rue du Noyer

An einem warmen Sommertag besuche ich eine einfache Bierbar in Strasbourg. Die Außenterrasse besteht aus Biergarnituren, die auf den trottoir gestellt sind. Die Bar ist beliebt, es gibt verschiedene Biersorten und große Gläser. Die Außenterrasse ist voll junger und mittelalter Menschen. Da alle Tische besetzt sind, frage ich an einem Tisch, ob ich mich an der Ecke dazusetzen kann. Die beiden Männer nicken.
Nach dem ersten Bier fragt mich der eine auf Englisch, woher ich komme.
„Ich bin Deutscher˝, antworte ich, „wohne aber in Strasbourg.˝
„Ah, Deutscher˝, meint der, der mich gefragt hatte. „Wir kommen aus Spanien.˝
Er übersetzt meine Herkunft seinem Kumpel ins…


Eingang der Schirn-Kunsthalle, Frankfurt

Ein dickes Paket sei für mich angekommen, schrieb mir meine Frau per WhatsApp. Ich hatte nichts bestellt. Als ich meine Frau in der kleinen Kurstadt in Mittelhessen besuchte und das Paket öffnete, wunderte ich mich. Darin befand sich der Katalog der aktuellen Ausstellung eines Museums in Frankfurt. Ich konnte mich nicht daran erinnern, ihn bestellt zu haben.

Ein dickes Paket.

Erst Wochen später dämmerte es mir. Ich bin Mitglied im Freundeskreis des Museums. Manchmal haben sie Sonderaktionen. Da war doch was, neulich … Aber was war das gleich? Diese Aktion?

Ganz schön schwer, dieser Katalog.

Es sind Landschaftsbilder aus Kanada…


QR-Code auf Bistrot-Tisch, Les Savons d’Hélène, Strasbourg

(Wochenschau 25/2021)

Ich will diese Woche in einem bistrot in Strasbourg mit einem oder zwei Bierchen beenden. Ich wohne mitten in der Innenstadt, bin umgeben von Bars, Cafés und Restaurants, habe aber schon die Außenterrasse eines bestimmten bistrots im Kopf. Die café bar culturel en plain cœr de Strasbourg verspricht mit ihrem Slogan auf der Website nicht zu viel. Sie liegt sehr zentral, und sehr oft kann man hier in entspannter Atmosphäre Live-Musik genießen. Ich würde dort gerne ein Glas Rotwein trinken und ertappe mich dabei, wie ich schon in meiner Wohnung auf meinem Mobile die Website öffne, um schon…


Langstross Grand’Rue, Strasbourg

Ein Fahrradbote mit Essen auf dem Gepäckträger fährt direkt auf mich zu und klingelt. Als würde ich im Weg stehen. Ich bin noch in der Straße ohne Gastronomie und hier quasi allein auf weitem Feld. Als ich ihn ansehe und mit den Schultern zucke, tut er es mir gleich, aber weicht immerhin aus. Es empfiehlt sich in Strasbourg, immer gründlich nach links und rechts zu sehen, wenn man einen Fahrradweg kreuzt. Viele sind schnell und aggressiv auf ihren Rädern unterwegs. Aber ökologisch vorbildlich. Ich fahre normalerweise auch Rad. Heute laufe ich durch die Stadt. Ein Spaziergang. Allein mit meinen Gedanken…


Langstross Grand’Rue

Kein freier Platz
ich bin nicht traurig
ich spaziere, ich schaue
freue mich
für die anderen

Réouverture

Pas d’espace libre
je ne suis pas triste
je me balade, je regarde
suis heureux
pour les autres


14 rue Déserte, Strasbourg (williann.com/tongues-out).

Wir strecken dem Leben die Zunge raus. Auf unsere Wunden kleben wir Pflaster. Unsere Narben sind längst verheilt.

Die nächste Party kommt bestimmt. Hier tanzt der Bär. Nein, einer tanzt, der andere spielt Schlagzeug. Wir tanzen, bis die Fetzen fliegen. Bis wir nur noch Haut und Knochen sind. Alles, was wir sind, scheint durch. Wir müssen nur unser Leben wirklich leben.

Ich muss unbedingt joggen gehen. Beim Lauf durch die Stadt hängt mir die Zunge halb heraus. Ich war schon mal besser in Form. Ich sehe dieses Graffiti voller Lebensfreude und Gegensätze. Das Laufen reinigt meine Gedanken. Die Bewegung und…


Du hechelst durch die Stadt mit einer Million Einwohnern. Beliebte Jogging-Strecke. Es ist menschenleer. Normalerweise flanieren hier alle. Es ist beliebt: Ein Plätzchen am Main, auf einer Decke sitzend, Getränk in der Hand, Blick auf die Skyline. Das Wetter ist zum Wegwerfen. Eine Mischung aus Regen und sehr feinen Hagelkörnern.

Die Hagelkörner piksen nur
angenehmer als der Regen
sie machen nicht nass

Auf der ganzen Strecke, immerhin neun Kilometer, begegnest du niemandem. Wirklich gar niemandem. Spätestens am Druckwasserwerk mit den Rohren und Industrieaufbauten fällt dir die postapokalyptische Stimmung auf.
“Auch keinem Zombie?” fragt dich ein Kollege, als du das später erzählst.
“Nein, es war wirklich niemand zu sehen. Aber unter den Masken sieht man ja auch nicht, wer ein Zombie ist” ist deine spontane Antwort.

Der letzte Kilometer
die Sonne kommt raus
April-Wetter im März


“Warum zögerst du? Traust du mir nicht?”, sagt gleich zu Beginn der Zebrastreifen. “Ich passe auf dich auf.”

“Danke, doch, ich traue dir, aber ich sehe instinktiv nach links und rechts, wenn ich dich überquere. Das geht nicht gegen dich.”

“Mich hast du nicht mal beachtet. Ich weiß, ich bin hässlich”, weint die alte DB-Zentrale.

“Du bist nicht hässlich, du bist brutal. Das ist halt dein Architekturstil. Dafür kannst du nichts.”

“Hey, wo willst du so schnell hin?”, fragt die Galluswarte. “Bleib hier und trink einen mit. Ich bin das größte Wasserhäuschen weit und breit.”

“Nach dem Joggen vielleicht”, antworte…


17:42 Uhr in der Rue Mercière mit bestem Blick auf die Kathedrale in Strasbourg. Circa zweihundert Menschen trinken Bier oder Glühwein. Es wird aus den Fenstern zweier Restaurants ausgeschenkt. Man hält ein Schwätzchen, raucht eine Zigarette. In achtzehn Minuten beginnt das couvre-feu, die Ausgangssperre. Bis dahin muss alles fertig geraucht und ausgetrunken sein. Alle müssen nach Hause zurückkehren. Man darf zwischen achtzehn Uhr und sechs Uhr die eigene Wohnung nicht verlassen.

Mein Tag, so schnell vorbei

warte auf mich

mein Glas ist bald leer

mein Körper seelenlos

nutze den Tag

Jürgen Artmann - Pendelbewegungen

Jürgen Artmann, Unternehmer, Europäer, Pendler… beobachtet den Alltag und schreibt darüber.

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